Kennst Du diese 11 närrischen Bräuche?

Wie genau Karneval, Fasching oder Fastnacht gefeiert werden, ist regional sehr unterschiedlich. Wir zeigen Euch die bekanntesten Bräuche rund um das jecke Treiben. Wir haben auch einmal nachgeforscht, worin die Bräuche ihren Ursprung haben – was nicht immer ganz einfach ist, da sich christliche und heidnische Riten ebenso wie regionale und kulturelle Besonderheiten im Laufe vieler Jahrhunderte miteinander vermischt haben.

1. Kostüme, Mummenschanz und Masken

Warum verkleidet man sich zu Fasching? Wieso geht im Karneval nichts ohne Kostüm?

Die Faschingskostüme haben ihren Ursprung in gruseligen Masken, die sich die Menschen in früheren Jahrhunderten aufgesetzt haben, um böse Geister und den Winter zu vertreiben. Mit Rasseln und Glocken haben sie ihrem Anliegen Nachdruck verliehen.
Daraus entstanden im Laufe der Zeit teilweise sehr kreativ gestaltete Kostüme. Durch die Verkleidung hat man die Möglichkeit, einmal in eine andere Rolle zu schlüpfen, andere Facetten der eigenen Persönlichkeit auszuleben und damit dem Alltag zu entfliehen.

Im organisierten Karneval bei den großen Gesellschaften ähneln die Kostüme eher Uniformen, die unter optischen Gesichtspunkten den Anfangszeiten im frühen 19. Jahrhundert entstammen – Kreativität beim Verkleiden ist hier also weniger gefragt.

Das Wort „Mummenschanz“ bezeichnet vermutlich das Verkleiden und Tragen einer Maske, das „Vermummen“. Nicht auszuschließen ist ein Zusammenhang mit einem Würfelspiel („chance“), das zur Fastnachtszeit von verkleideten Menschen in fremden Haushalten angeboten wurde.


2. Dreigestirn

Der Karneval im Rheinland ist ohne Dreigestirn – bestehend aus Prinz, Bauer und Jungfrau – kaum denkbar. Die Grundlagen hierfür sind im Jahr 1823 in Köln entstanden, als man begann, den Karneval zu organisieren. Zunächst trat dort der Held Karneval mit seiner Prinzessin Venetia auf. Letztere verlor in Köln aber bald an Bedeutung, während Bauer und Jungfrau wichtiger wurden. Im benachbarten Düsseldorf geht man einen etwas anderen Weg: Dort existiert nach wie vor die Venetia als Begleitung des Karnevalsprinzen.
Die Jungfrau als Figur im Karnevalszug entstand ebenfalls schon im Jahr 1823. Zu erwähnen ist an dieser Stelle, dass die Jungfrau noch bis heute fast immer von einem Mann dargestellt wird.
1825 kam der Bauer hinzu, der für die Mitgliedschaft Kölns in der Reichsbauernschaft stand.
Seit 1938 spricht man vom Dreigestirn.

Viele kleinere Orte im Rheinland haben diese Tradition übernommen. Oftmals kommt noch ein Kinderdreigestirn hinzu.


3. Straßenkarneval: Umzüge, Kamelle, Schellenrühren

Die Rosenmontagszüge in den großen Karnevalshochburgen Köln, Düsseldorf und Mainz mit mehr als zehntausend Teilnehmern und bis zu einer Million Zuschauern am Straßenrand werden sogar alljährlich im Fernsehen übertragen.
Die Festwagen setzen sich häufig mit brisanten politischen Themen auseinander. Von den kostümierten Teilnehmern werden tonnenweise Kamelle – klassischerweise Bonbons – aber auch „Strüßjer“, Pralinenschachteln, Chipstüten, Popcorn oder Erfrischungstücher ins Publikum geworfen.
Hinzu kommen viele weitere Umzüge in kleineren Orten sowie die "Veedelszöch" in den Stadtteilen an den anderen Tagen. Auch hier können die Zuschauer auf reichlich süßes Wurfmaterial hoffen.

Im Fasching ist in vielen Orten in Bayern und Österreich das Schellenrühren verbreitet. Hier orientiert man sich immer noch an der alten Tradition, den Winter mit Hilfe von Rasseln und Schellen auszutreiben.


Kostüme zu Karneval4. Altweiber, Weiberfastnacht, Wieverfastelovend oder doch Fettdonnerstag?

Am Donnerstag vor dem Aschermittwoch beginnt die heiße Phase des närrischen Treibens und mit ihr der echte Straßenkarneval mit seinen vielen Umzügen. Im Mittelpunkt steht jedoch das bunte Treiben auf Plätzen und in Kneipen.
An diesem Tag regieren die Möhnen – ausschließlich Frauen –  und übernehmen vielerorts das Rathaus. Männer sollten sich am Altweiberdonnerstag in Acht nehmen, denn sie laufen Gefahr, ihre Krawatte als Symbol männlicher Macht abgeschnitten zu bekommen. Wer sich auskennt, wählt an diesem Tag ein älteres Modell oder verzichtet ganz darauf.


5. Woher hat der Rosenmontag seinen Namen?

Für die Herkunft der Bezeichnung „Rosenmontag“ gibt es zwei mögliche Erklärungen. Die erste hat nichts mit Blumen zu tun, sondern nimmt „rasender Montag“ als zugrundeliegende Bedeutung an.
Eine andere Erklärung leitet den Rosenmontag vom Rosensonntag, dem mittleren Fastensonntag, ab. An diesem Tag hat der Papst im Mittelalter einer auserwählten Person eine Rose aus Gold überreicht.
Im rheinischen Karneval gibt es übrigens noch mehr „Grünzeug“ - nämlich den Kappessonntag und den Veilchendienstag.


6. Nubbelverbrennung und Fastnacht

Am Faschingsdienstag wird von der letzten Gelegenheit zum Feiern noch einmal ausgiebig Gebrauch gemacht. Die im südwestdeutschen Raum weitverbreitete Bezeichnung Fastnacht weist auf den anschließenden Beginn der Fastenzeit hin.
Fast überall, wo Karneval, Fasching oder Fastnacht gefeiert wird, findet abends eine symbolische Verabschiedung des Frohsinns statt, wie zum Beispiel die Nubbelverbrennung in Köln.

Auch im Begriff „Karneval“ spiegelt sich der Fastnachtsgedanke wider, denn er ist lateinischen Ursprungs und bedeutet so viel wie „Fleisch, leb wohl“.


7. Sitzungen und Büttenreden

Vor Beginn des Straßenkarnevals finden in den rheinischen Karnevalshochburgen Sitzungen der Karnevalsgesellschaften statt. In den großen Sälen der Städte treten Funkemariechen, Bands und Komiker auf.

Büttenreden dienten ursprünglich der Kritik an herrschenden Zuständen, die während der tollen Tage einmal ungestraft geäußert werden durften. Die typische Büttenrede wird in Reimform vorgetragen. In den letzten Jahrzehnten haben sich Comedy und Gesangseinlagen darunter gemischt.
Der Name leitet sich von der Bütt ab – einem großen Bottich, der zum Rednerpult umfunktioniert wurde, heutzutage aber leider nicht immer als solcher erkennbar ist.


Samba - Karneval in Rio8. Samba – Karneval in Rio

Gleicher Name, gleiches Datum – und doch ganz anderes Flair: Auch in Rio de Janeiro wird Karneval gefeiert – und zwar mit heißen Samba-Rhythmen und leicht bekleideten Tänzerinnen. Die Sambaschulen aus dem ganzen Land präsentieren auf vielen Paradewagen ihre Künste und kämpfen im Sambadrom um den Meistertitel.

Aber wie kam der Karneval nach Rio und wieso wird er dort so groß gefeiert?
Grundsätzlich hat der Karneval sich in unterschiedlichen Formen ja in viele Ecken der Welt ausgebreitet. Der Karneval in Rio de Janeiro hat seine Wurzeln wahrscheinlich im portugiesischen Entrudo, der auch Einflüsse durch afrikanische Sklaven enthielt.
Nachdem der Karneval in Rio seit dem 19.  Jahrhundert gefeiert wurde, kam im Jahr 1917 das Element des Samba hinzu.
Die Kostüme des brasilianischen Karnevals mit ihren Masken und dem Federschmuck sind stark an die afrikanischen Wurzeln angelehnt.


9. Narrenrufe

Die wohl bekanntesten Narrenrufe sind Helau und Alaaf. Aber Achtung: Mit dem falschen Narrenruf macht man sich schnell unbeliebt. In Köln ruft man „Alaaf“, während Düsseldorf und auch das viel weiter südlich gelegene Mainz „Helau“ bevorzugen, das möglicherweise aus „Hallelujah“ entstanden ist.
Die Vorlieben für den einen oder anderen Narrenruf unterscheiden sich aber bereits von Dorf zu Dorf.
Einige Orte oder Karnevalsgesellschaften haben sogar individuelle Narrenrufe – wie etwa „Brettlook“ (Breitlauch) in einem Ortsteil von Krefeld oder „Halt Pohl“ in Mönchengladbach.


10. Närrisches Gebäck

Kurz vor dem Beginn der Fastenzeit am Aschermittwoch möchten auch die Narren noch einmal über die Stränge schlagen. Deshalb ist Fettgebäck im Faschingstreiben besonders beliebt. Der Berliner kommt während der tollen Tage in einer besonderes großen Variantenvielfalt daher. Auch der Krapfen ist wohlbekannt und in vielen Regionen Deutschlands weit verbreitet.

Die im Schwäbischen verbreiteten Fasnetsküchle ähneln dem Krapfen, besitzen aber im Gegensatz zu ihm keine Füllung. Ihren besonderen Geschmack bekommen sie durch Zimtzucker. Mutzenmandeln werden ebenfalls in Fett ausgebacken, sind aber deutlich kleiner und vor allem im Rheinland beliebt.

Es ist übrigens nie zu spät, diese leckeren Verführungen selbst zu backen!


11. Die närrische Zahl 11

Am 11.11. um 11:11 Uhr startet die Session. Es gibt den Elferrat – und überhaupt können sich Karnevalisten für die Zahl 11 begeistern.

Weshalb genau die Zahl 11 eine so große Bedeutung für die Narren erlangt hat, weiß heute niemand mehr so genau. Es gibt aber verschiedene Theorien:
Die Position zwischen der übermächtigen 10 und 12 in der biblischen Zahlenmystik wäre ein möglicher Grund – die 11 steht somit zwischen der Weltordnung und dem Neubeginn. Sie ist die kleinste aller möglichen Schnapszahlen.
In ähnlicher Weise stellt sie die Ordnung der Stadt oder Gemeinde auf den Kopf, da früher viele Gremien entweder 10 oder 12 Mitglieder hatten.
Auszuschließen ist auch nicht, dass die Zahl 11 aufgrund eines von vielen Wortspielen rund um die "Elf" gewählt wurde.

Festzuhalten bleibt also: Die Zahl 11 hat etwas Rebellisches, das das närrische Treiben gut widerspiegelt.

Den aufmerksamen Beobachtern unter Euch ist sicher schon aufgefallen: Der Start der fünften Jahreszeit am 11.11. fällt auf den Martinstag. Nach diesem Tag begann eine Fastenzeit von 40 Tagen – und deshalb wurde noch einmal so richtig gefeiert.

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