Alles andere als zweite Klasse: Backen mit Fallobst

Alle Jahre wieder landet das Obst von den Bäumen nicht nur beim Pflücken im Eimer, sondern auch auf dem Boden. Dabei ist das Fallobst viel zu schade, um es einfach liegen zu lassen. Denn mit Fallobst könnt Ihr ganz vorzüglich backen – und sogar ein paar Raritäten in Eure Backstube holen. Wir erklären Euch, was Ihr beim Sammeln von Fallobst beachten müsst und zeigen Euch die besten Rezepte.

Allgemeine Tipps zum Sammeln von Fallobst

Am leichtesten fällt Euch das Aufsammeln von Fallobst auf Eurer Obstwiese, wenn Ihr hohes Gras vorher abmäht. So entdeckt Ihr die leckeren Früchte am Boden sofort. Wenn Ihr ein Fangnetz unter die Bäume spannt, landet das Fallobst ganz weich und unbeschadet.

In Euren Korb oder Eimer wandern nur die besten Früchte – und vor dem Backen oder einer anderweitigen Verarbeitung ist natürlich noch einmal eine Kontrolle angesagt: Wurmstichiges oder von Pilzen befallenes Obst wird entfernt.
Kleinere braue Stellen – so genannte Falldellen – schaden dem Obst erst einmal nicht. Allerdings solltet Ihr es zeitnah verarbeiten und die braunen Stellen abschneiden.

Auch der richtige Zeitpunkt zum Sammeln von Fallobst ist wichtig. Bereits früh im Sommer kann es zum so genannten Junifall kommen. Dieses Obst gehört auf den Kompost, denn die Früchte sind noch unreif und entweder aufgrund von Wurmbefall oder durch einen Sommersturm vom Baum gefallen.


Was tun mit ungeeignetem Fallobst?

Je nach Zustand könnt Ihr nicht mehr alle Früchte verwenden. Trotzdem solltet Ihr auch dieses Obst frühzeitig vom Boden entfernen. Denn die faulenden Früchte sind ein Leckerbissen für Fliegen und Wespen, die niemand als Gäste im Garten haben möchte.

Als Dünger hat das Fallobst aber noch eine glänzende Zukunft vor sich. Deshalb bringt Ihr es auf den Komposthaufen oder vergrabt es im Garten. Durch den Sauerstoffentzug kann es hier komplett verrotten und später anderen Pflanzen als Nährstoffquelle dienen. Auch Früchte, die noch im Spätherbst halb vertrocknet am Baum hängen und einfach nicht abfallen wollen, solltet Ihr hier entsorgen.


Wo kannst Du Fallobst finden?

Wenn Ihr keinen eigenen Garten besitzt oder keine Obstbäume darin stehen habt, gibt es trotzdem Möglichkeiten, kostenlos oder sehr günstig an Fallobst zu kommen.
Aufgepasst, wenn der Baum in Nachbars Garten oder am Wegesrand steht: Früchte, die an diesen Bäumen hängen, dürft Ihr nämlich nicht ohne Weiteres pflücken, auch wenn Sie noch so verlockend über den Zaun ragen – das wäre Diebstahl. Anders ist die Lage jedoch bei Fallobst. Was von Nachbars Baum auf den Boden in Eurem Garten fällt, dürft Ihr behalten.

Wenn Ihr Fallobst außerhalb des eigenen Gartens findet, versucht doch einfach, den Besitzer ausfindig zu machen. Vielleicht ist er froh, das Fallobst nicht selbst aufheben zu müssen. In guten Obstjahren mit vielen Früchten gibt es Fallobst häufig zu verschenken.


Geheimtipp Streuobstwiese

Streuobstwiesen sind etwas ganz Besonderes. Während die meisten Obstbäume insbesondere im gewerblichen Anbau in Monokulturen wachsen und hier oft nur wenige moderne Modesorten wachsen, könnt Ihr auf einer Streuobstwiese echte Schätze entdecken. Denn der Baumbestand ist häufig schon sehr alt und stammt aus dem 19. oder frühen 20. Jahrhundert. Hier kann man schon einmal auf die eine oder andere alte Apfelsorte zu treffen, die heute fast niemand mehr kennt. Ein weiteres Kennzeichen der Streuobstwiese ist, dass hier unterschiedlichste Obstbaumsorten kunterbunt durcheinander wachsen.

Grundsätzlich ist auch eine Streuobstwiese kein Selbstbedienungsladen – es sei denn, sie ist eindeutig ausgewiesen. Hier gilt das Gleiche wie bei anderen Gärten: Fragt beim Besitzer an. Bei offen zugänglichen Flächen, deren Besitzer Ihr nicht kennt, kann Euch im Zweifelsfall die Gemeinde weiterhelfen. Glück habt Ihr häufig bei öffentlich geförderten Streuobstwiesen. Denn hier ist in den Bedingungen meist vorgesehen, dass die Wiese öffentlich zugänglich ist. Vielfach stehen hier Initiativen hinter den Wiesen, die das Aufsammeln von Fallobst begrüßen.
Oder Ihr erwerbt bei einer solchen Initiative eine Obstbaumpatenschaft für einen Zeitraum von einem oder mehreren Jahren. Hier dürft Ihr das Obst von Eurem Patenbaum, der meist einer alten, gefährdeten Sorte angehört, selbst ernten und aufsammeln.

Auf https://www.mundraub.org könnt Ihr Euch ebenfalls einmal umschauen, wo einzelne Obstbäume oder Streuobstwiesen zu finden sind.


Äpfel, Äpfel, Äpfel!

Wenn Ihr einen Apfelbaum im Garten habt, besitzt Ihr bereits die beste Grundlage zum Backen mit Fallobst, die man sich denken kann. Denn aufgrund seiner Schale und der relativ feste Konsistenz überlebt der Apfel auch den Sturz auf den Boden weitgehend unbeschadet. Grundsätzlich könnt Ihr Apfelkuchen in allen Variationen mit Fallobst backen – wie wäre es zum Beispiel mit einem Apple Crumble mit den leicht säuerlichen Boskoop?


… und Birnen!

Wir wollen zwar nur ungern Äpfel mit Birnen vergleichen, können jedoch auch der Birne beste Eignung als Fallobst zum Backen bescheinigen.
Späte Birnensorten kannst Du im Birnen-Walnuss-Kuchen perfekt mit Walnüssen kombinieren, die Du ebenfalls vom Boden aufliest. Besonders lecker schmecken die Birnen auch in Form einer Birnentarte oder als Obstzugabe in Schoko-Muffins.


Was kann man aus Fallobst sonst noch machen?

Nicht alles findet den Weg in Euren Kuchen. Ihr habt noch mehr Möglichkeiten, um Fallobst auf äußerst schmackhafte Weise zu verwerten.
Wenn Ihr Unmengen an Äpfeln gesammelt habt, bietet sich das Einkochen an, um Apfelmus selbst herzustellen. Damit habt Ihr gleichzeitig eine weitere Backzutat zur Verfügung, die hilfreich ist, wenn Ihr äußerst fettarm backen wollt.

Es gibt eine Saftfabrik in der Nähe? Gebt Euer überzähliges Fallobst dort zum Entsaften ab. Vor allem bei seltenen Apfelsorten lohnt sich diese Option, denn so bekommt Ihr besonders leckeren Apfelsaft, den es so nirgends zu kaufen gibt.

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